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Die Folgen des Hochwassers in Stolberg (Rheinland)
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03.09.2021
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Programm „Chancenpatenschaften“ Referent Bündnis der Bürgerstiftungen Deutschlands

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Stolberg (Rhld.), 25. August 2021. Kaum ein Haus ist verschont geblieben. Am 15. Juli 2021 überflutete ein Hochwasser, das vor allem über die Flüsse Vichtbach und Inde der Stadt erfasste, fast das gesamte Zentrum der „Kupferstadt“ Stolberg. Lediglich die Gebäude in den Hanglagen oder das erhöht liegende Wahrzeichen der Stadt, die Burg, wurden verschont.

„Es war ein fürchterlicher Lärm, ich hatte solche Angst“ erzählt einer, der bei der Flut seinen gesamten Besitz verloren hat. „Meine Mutter und ich sind in den ersten Stock geflüchtet, das Wasser hat im Erdgeschoss alles mitgerissen. Nun wohnen wir bei meiner Schwester.“

Solche Geschichten hat Hans-Josef „Bronco“ Siebertz inzwischen schon oft gehört. Er ist gebürtiger Stolberger, ehemaliger Bürgermeister der Stadt und Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Stolberg. Mit ihm die schwer beschädigte Stadt zu besichtigen bedeutet nicht nur, viel Hintergrundwissen zu Stadt und Geschehen zu erhalten, sondern auch ständig Bürgerinnen und Bürger zu treffen, die ihm von ihrem persönlichen Hochwasser-Schicksal erzählen.

An zentralen Stellen Stolbergs stehen noch immer die Versorgungszelte

„Dieses historische Gebäude hatten wir erst vor wenigen Jahren renoviert. Nun müssen wir den ganzen Boden neu machen.“ sagt ein vitaler Rentner, der zwischen ratterndem Entlüfter und Bauschutt das Ladenlokal im Steinweg, einer zentralen Straße in der Innenstadt, aufräumt. Seine Enkeltochter hatte hier einen Laden für Geschenkartikel geführt, der wegen Corona geschlossen war und dessen Zukunft nun erst recht ungewiss ist. Wie dieser Familie geht es fast allen Bewohnern der Innenstadt. Hotels, Gaststätten, Möbelgeschäfte und andere Läden, Büros -  alle sind betroffen und auf Unterstützung angewiesen. Für die, die gar nichts mehr haben, stehen sechs Wochen nach der Katastrophe an zentralen Stellen Stolbergs immer noch Versorgungszelte zur Verfügung, die Nahrungsmittel, sanitäre Anlagen und sonstige Grundversorgung bieten. Die Warteschlangen sind nicht lang, aber beständig, der Bedarf bei vielen Einwohner:innen der Stadt ist immer noch groß.

Ein Ort, der insbesondere in dieser schweren Zeit für viele Stolberger:innen und Stolberger als wichtige Anlaufstelle dient, ist das Sozialkaufhaus WABE. Alle drei Filialen der Stadt, die von der Diakonie Aachen betrieben werden, wurden jedoch ebenso stark von der Flut erfasst wie andere Gebäude und mussten teilweise geräumt werden. „Schnell konnten wir unsere zentrale Filiale nach einigen Tagen wieder öffnen, da diese aufgrund glücklicher Umstände nicht so stark mit Schlamm und Wasser gefüllt war.“ erzählt Kaufhausleiter Manfred Peters. Diese ist nun bereits wieder mit Möbeln, Kleidung und anderen Sachspenden gefüllt. Andauernd kommen und gehen Menschen aus und ein, die grundlegenden Bedarfe an Kleidung und Möbeln haben und hier fündig werden.

„Wir haben auch eine Essensausgabe und Kaffee, so dass das Sozialkaufhaus für alle in der Nachbarschaft ein Treffpunkt ist“ erklärt Holger Kaminski, einer der verantwortlichen Akteure der Organisation. Das Haus ist tagsüber geöffnet und dient auch als Informationsstelle für die Bürgerinnen und Bürger mit ihren aktuellen Bedarfen. In einer der alten Filialen des Sozialkaufhauses, einem ehemaligen Kino, wurde das Eingangsgebäude mit allen Räumen völlig verwüstet. Die Küche, das Café, die Bibliothek, Holger Kaminskis Büro – alles nicht mehr nutzbar. Ein durchdringender Geruch von Öl liegt in der Luft. In vielen Gebäuden zerstörte das Wasser die Heizkeller und die alten Öltanks, Heizflüssigkeit drang nach außen und verteilte sich flächendeckend. Das Gebäude soll nun abgerissen werden. Der alte Kinosaal nebenan im ersten Stock hatte noch Glück – dort wurde sowohl das Möbellager als auch die Schreinerei verschont. In der Werkstatt konnte die Arbeit schon bald wiederaufgenommen werden: Die hier beschäftigten Langzeitarbeitslosen fertigen zum Beispiel Vogelhäuschen oder Katzenbäume an, wie der bereits zitierte Emilio, dessen Wohnung durch die Flut zerstört wurde. Er stehe immer noch unter Schock, meint er, und sei froh, dass er zumindest seiner Arbeit nachgehen kann.

Für Hans-Josef Siebertz ist daher die Unterstützung des Sozialkaufhauses durch die Bürgerstiftung Stolberg eine dringende Maßnahme. „Sachspenden aus dem ganzen Land haben wir auch schon erhalten, aber was wir am meisten brauchen, sind finanzielle Hilfen, um die betroffenen Familien direkt mit dem Nötigsten versorgen zu können“, erklärt Hans-Josef Siebertz. „Wie zum Beispiel Kühlschränke oder Elektroherde, die durch die Flut unbrauchbar wurden.“ Der Ansatz der Bürgerstiftung ist klar: Da das Sozialkaufhaus eine wichtige Säule der lokalen sozialen Infrastruktur bildet, über die sehr viele Menschen erreicht werden können, können an dieser Stelle Spenden besonders gezielt helfen. „Dazu gehören auch die Stolberger Tafel, die Arbeiterwohlfahrt, das Deutsche Rote Kreuz und die Kindertagesstätte des Sozialdienstes Stolberger Frauen, die ebenfalls durch die Bürgerstiftung Unterstützung erhalten“, berichtet Hans-Josef Siebertz.

Sechs Wochen nach der Flutkatastrophe zeichnet die Stolberger Innenstadt immer noch ein erschreckendes Bild. Schutthaufen prägen die Straßen überall. Aber viel wurde bereits wieder aufgeräumt, und die Hoffnung kehrt langsam zurück. Mittendrin aktiv ist die Bürgerstiftung Stolberg. Für sie gilt die altbekannte Weisheit: Gestiftet und gespendet wird nicht für die Bürgerstiftung, sondern über die Bürgerstiftung.

Bürgerstiftung Stolberg
Spendenkonten Bürgerstiftung Stolberg
IBAN: DE51 3905 0000 1070 1596 35 (Sparkasse Aachen)
IBAN: DE 40 3916 2980 7320 0600 14 (VR Bank eG Stolberg)
IBAN: DE10 3907 0024 0364 0570 00 (Deutsche Bank AG Stolberg)

PS: Dieser Text soll exemplarisch für alle von der Flut betroffenen Gebiete in Deutschland stehen. Viele Bürgerstiftungen in den Katastrophenregionen und anderswo engagieren sich und sammeln Spenden für die zerstörten Gebiete. Weitere Informationen dazu unter: Bürgerstiftungen helfen Flutopfern

Axel Halling leitet das Programm Chancenpatenschaften im Bundesverband Deutscher Stiftungen und ist Referent des Bündnisses der Bürgerstiftungen Deutschlands. Er ist in der Nachbarschaft Stolbergs aufgewachsen und begleitete die Bürgerstiftung vor knapp zehn Jahren in ihrer Gründungsphase.