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Rückblick: Die Erfolgsgeschichte der Bürgerstiftungsbewegung

1996
Der Unternehmer Reinhard Mohn sucht anlässlich seines 75. Geburtstags nach einer Idee, mit der er das Stiftungswesen beflügeln kann. Der Blick fällt auf die Community Foundations der USA. Mohn beschließt, der Stadt Gütersloh zu seinem Geburtstag eine Bürgerstiftung zu schenken. Am 29. November 1996 wird die Stiftung von der Stiftungsaufsicht genehmigt.

1997
Nicht nur Reinhard Mohn hilft der Idee über den Atlantik. Bereits 1995 hatte der Kriminologe Christian Pfeiffer auf einer USA-Reise die Communtiy Foundations kennengelernt. Er sieht die großen Verdienste in der Gewaltprävention und plant, dieses Modell auch in Deutschland zu etablieren. Im Gegensatz zum top-down-Modell mit einem Gründungsstifter plädiert er für ein bottom-up-Modell, bei dem sich von Beginn an viele Stiftende für das lokale Gemeinwesen engagieren. 1997 wird die Bürgerstiftung Hannover anerkannt.

1998
Die erste Bürgerstiftung Bayerns entsteht in Steingaden. Initiator ist Max Georg Freiherr von Eltz-Rübenach. Das zur Verfügung stehende Grundstockvermögen wird durch eine Zustiftung aus den Überschüssen des Festjahres 1997 anlässlich der Steingadener Klostergründung vor 850 Jahren erhöht. Den Zusammenhalt nachhaltig zu fördern und zu festigen, sieht die Stiftung als wesentliche Aufgabe für ihre Tätigkeit an.

1999
Am 13. Januar wird die Bürgerstiftung Dresden als vierte Bürgerstiftung in ganz Deutschland und als erste in einer ostdeutschen Großstadt errichtet. Die Initiative geht auf die Hamburger Körber-Stiftung zurück, die nicht nur mit Finanz- sondern auch mit der Unterstützung durch Personal- und Sachmitteln die Bürgerstiftung auf den Weg bringt. Heute ist die Bürgerstiftung Dresden eine der größten Bürgerstiftungen deutschlandweit und in der Stadt insbesondere als Verwalter von mehr als 40 Stiftungsfonds und Treuhandstiftungen bekannt.

Das erste Treffen des Arbeitskreises Bürgerstiftungen im August 1999 bei der Gerda Henkel Stiftung in Düsseldorf ist ein historischer Schritt für das Stiftungswesen: Für den kleinen Kreis der bis zu diesem Zeitpunkt gegründeten acht Bürgerstiftungen einen eigenen Arbeitskreis zu etablieren, muss als visionär bezeichnet werden. Als der Leiter des Arbeitskreises Nikolaus Turner die Tagung eröffnet, formulieren die Anwesenden ein breites Spektrum an Aufgaben: Der Arbeitskreis soll ein Forum für Erfahrungsaustausch sein und den Bürgerstiftungen eine Lobby geben, um diese junge Idee in die Breite zu tragen. Großen Stellenwert hat zudem die Frage, wie sich Bürgerstiftungen erfolgreich von der Politik abgrenzen können.

2000
Was ist eigentlich eine Bürgerstiftung? Wie kann bei aller Individualität vor Ort ein gemeinsames Selbstverständnis der in Deutschland be- und entstehenden Bürgerstiftungen befördert werden? Da es keine gesetzliche Definition für diese Engagementform gibt, braucht es eines anderen „Identitätsankers“ (so Volker Then). Dieser wird im Jahr 2000 mit der Verabschiedung der „10 Merkmale“ geschaffen. In der Präambel wird klargestellt: „Eine Bürgerstiftung ist eine unabhängige, autonom handelnde, gemeinnützige Stiftung von Bürgern für Bürger mit möglichst breitem Stiftungszweck.“

2001
Die Kooperation von Bertelsmann Stiftung, Klaus Tschira Stiftung, Körber-Stiftung, Mott Foundation und Bundesministerium für Familie Senioren Frauen und Jugend ermöglicht die Gründung der Initiative Bürgerstiftungen unter dem Dach des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Das unabhängige Kompetenzzentrum für alle Fragen rund um das Thema Bürgerstiftungen wird in den kommenden Jahren intensiv für die Gründung von Bürgerstiftungen werben und den errichteten jungen Bürgerstiftungen bei ihren ersten Schritten im gemeinnützigen Sektor helfen.

2003
Auf dem Deutschen StiftungsTag in Berlin wird die Bürgerstiftung Dresden mit dem Stifterpreis des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen ausgezeichnet. „Idee und Praxis der Bürgerstiftungen vermitteln uns in Deutschland eine Perspektive, wie sich mit mehr Freiheit und Selbstbestimmung zusammenleben lässt“ – mit diesen Worten charakterisiert der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck in seiner Laudatio die Bürgerstiftungen.

Nach der Verabschiedung der „10 Merkmale einer Bürgerstiftung“ entsteht die Überlegung, diejenigen Stiftungen, die den Merkmalen entsprechen, durch ein Zertifikat auszuzeichnen. Die Idee des Gütesiegels des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen ist geboren. Erstmals im Jahr 2003 wird das Gütesiegel an insgesamt 35 Bürgerstiftungen übergeben. Die Aussicht, das Gütesiegel verliehen zu bekommen und so Teil der aufstrebenden Bürgerstiftungsbewegung zu werden ist für viele Initiativen Anlass, bei der Satzungsgestaltung die „10 Merkmale“ zu berücksichtigen.

2005    
Aufgrund der zunehmenden Anzahl an Bürgerstiftungen und Gründungsinitiativen wird es für das dreiköpfige Team der Initiative Bürgerstiftungen in Berlin zunehmend eine Herausforderung, alle Anfragen zu bearbeiten. Mit Michael Eckstein, Dieter Isensee, Michael Jacobi, Elisabeth Nilkens und Winfried Ripp wird daher der erste Kreis der Regionalkuratoren eingesetzt. Dieser Kreis wird im Laufe der kommenden Jahre kontinuierlich erweitert. Die Regionalkuratoren kennen die besonderen Bedürfnisse der Bürgerstiftungen in ihrer Region und stehen aufgrund der räumlichen Nähe auch kurzfristig für persönliche Gespräche und Unterstützung zur Verfügung.

2006
Mit 56 Neugründungen ist des Jahr 2006 das Jahr mit dem größten Wachstum an Bürgerstiftungen.

Die Bürgerstiftung Braunschweig erhält für den im Jahr 2005 erstmals veranstalteten Bürger-Brunch einen ersten Preis beim KompassWettbewerb für Stiftungskommunikation des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte: Im Jahr 2016 werden zum 6. Mal 850 Tische zur längsten Frühstücksmeile der Stadt zwischen Burgplatz und Kohlmarkt. Sie sind Zeichen für eine starke Gemeinschaft und bürgerschaftliches Engagement in Braunschweig. Ein lebhaftes und abwechslungsreiches künstlerisches Programm mit einer Mischung aus mobiler Kunst und Musik wird allen Teilnehmern des Brunches geboten.

2008   
In den Jahren 2008 bis 2013 wirbt die Initiative Ost für die Errichtung von Bürger- und Gemeinschaftsstiftungen in den neuen Bundesländern. Insbesondere Winfried Ripp und Axel Halling sind unermüdlich im Einsatz und können am Ende auf die Begleitung von rund 50 Stiftungserrichtungen zurückblicken.

Aus Anlass ihres 10. Geburtstages besucht Hort Köhler die Bürgerstiftung Wismar und würdigt den Einsatz der Akteure: „Engagierte Bürgerinnen und Bürger geben eine überzeugende Antwort auf die Frage, wie unser Gemeinwesen zukunftsfähig bleibt. Viele der Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaft heute steht, werden wir nur dann bewältigen, wenn wir viel mehr noch als heute Freiwillige und ihr Engagement einbeziehen.“

2010
Im Juni 2010 erhält die die Bürgerstiftung Hamburg eine Zustiftung von 15. Mio Euro – die bis heute größte Zustiftung, die einer Bürgerstiftung in Deutschland zu Teil geworden ist.

Zum 01. Oktober wird das 200. Gütesiegel für Bürgerstiftungen an die Bürgerstiftung Magdeburg verliehen.

2012
Prof. Dr. Christian Pfeiffer radelt quer durch Deutschland – 1400 Kilometer von Wismar bis München und wirbt auf seiner Strecke für die Bürgerstiftungsidee.

2013
Die Vertreter der deutschen Bürgerstiftungen befassen sich mit der Frage, welche Strategie sie sich nach der ersten Phase der Errichtung und Etablierung der Stiftung geben wollen. Dies führt zur Verabschiedung des „Aufbruch 2030“. Darin werden drei Pfeiler der Bürgerstiftungsarbeit definiert. Bürgerstiftungen sehen sich als Vermögensverwalter, als Plattform für bürgerschaftliches Engagement und als Mittler und Moderatoren in der Kommune.

2015 
Die Erfolgsgeschichte der Bürgerstiftungsbewegung geht weiter: Das Kapital der Bürgerstiftungen wächst kontinuierlich an und beläuft sich im Jahr 2015 auf über 300 Mio. Euro.

2016
Die Bürgerstiftungsbewegung feiert Geburtstag: Die mehr als 29.000 Bürgerstifterinnen und Bürgerstifter sind heute die größte Stiftergruppe in Deutschland. Das 300. Gütesiegel wird zur Jubiläumsveranstaltung am 30.9. in Berlin an die Bürgerstiftung Lutherstadt Wittenberg verliehen.

 
 
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