Was machen Bürgerstiftungen in der Corona-Krise?

Mit viel Einfallsreichtum haben Bürgerstiftungen auf die neue Situation reagiert. Hier stellen wir Ihnen einige Beispiele aus der Bürgerstiftungsarbeit vor.

Neue Ideen sind gefragt

Im Folgenden finden Sie eine Auswahl von Maßnahmen die zeigen, wie Bürgerstiftungen im ganzen Land der aktuellen Herausforderung auf unterschiedlichste Weise begegnen. Die Listen werden laufend aktualisiert und weitere Anregungen nach Möglichkeit mit aufgenommen. Schreiben Sie uns gerne, wie Sie vor Ort auf die neuen Herausforderungen reagieren: ulrike.reichart@stiftungen.org

Fonds und Spenden

In Düsseldorf hat die Bürgerstiftung einen Sonderfonds für Bedürftige aufgelegt, der von Wohlfahrtsorganisationen genutzt werden kann. Diese können davon bei den verschiedenen Discountern Einkaufsgutscheine über 25 Euro pro Stück erwerben und an die Bedürftigen verteilen.

 

Die Bürgerstiftung Tübingen bietet schnelle und unbürokratische Hilfe für Tübingerinnen und Tübinger, die aufgrund der derzeitigen Situation unverschuldet in finanzielle Not geraten sind. Dafür hat sie einen Fonds eingerichtet, bei dem insbesondere Kleinsunternehmen, Freischaffende und Künstler*innen formlos einen finanziellen Zuschuss beantragen können.

 

Ziel der Soforthilfe-Aktion der Bürgerstiftung Kreis Ravensburg in Kooperation mit dem Unternehmen CHG-MERIDIAN ist es, Kräfte verschiedener Akteure zu bündeln, um unbürokratisch, zielgerichtet und schnell gemeinnützige Vereine, besonders aus dem Bereich Kunst und Kultur, und Organisationen, die ein soziales Hilfsangebot in der Region anbieten, zu unterstützen. Dafür hat das Unternehmen der Bürgerstiftung eine Spende in Höhe von 200.000 Euro zur Verfügung gestellt. Weitere Unternehmen sind dazu aufgerufen, sich an der Aktion zu beteiligen, um das vielfältige bürgerschaftliche Engagement zu stärken und zu erhalten.

In einem ersten Schritt wurden die Tafelläden im Landkreis für den Zukauf von Lebensmitteln unterstützt sowie Organisationen, die sich für Frauen und Kinder in Not einsetzen.

Um unbürokratisch und schnell finanzielle Hilfen für von der Krise bedrohte Kulturschaffende bereitstellen zu können, hat die Bürgerstiftung Mannheim einen Unterstützungsfonds ins Leben gerufen, auf dem schon etliche Spenden eingegangen sind. Jetzt gilt es diese Spenden an die Menschen zu vergeben, die umgehend Hilfe benötigen.

Die Bürgerstiftung kümmert sich um die Organisation der Spendenvergabe. Aufwendungen, die der Grundsicherung dienen, werden unterstützt. Das kann ein Beitrag zum Einkauf von Lebensmitteln und Gebrauchsartikeln des täglichen Bedarfs sein. Es kann auch ein Teil der Miete übernommen werden oder die Kosten für Fahrkarten des ÖPNV. Auch die Übernahme einer Rechnung, die aufgrund der fehlenden Einnahme nicht gezahlt werden kann und deshalb Mahnkosten drohen, kann je nach Höhe teilweise oder voll übernommen werden. Auch wenn in dieser Situation der Kühlschrank kaputt geht, kann geholfen werden. 

Es ist ein erstes Corona-Solidaritätsprojekt der Bürgerstiftung: die Unterstützung der Kehler Tafel. Auf Bestellung erhalten Bezugsberechtigte eine Tüte Lebensmittel. Es ist ein Kooperationsprojekt der Nachbarschaftshilfe und verschiedener Sponsoren.

Die Stadt Eltville und die Bürgerstiftung rufen zu Geldspenden für die Hilfsbedürftigen des Eltviller Tisches auf. Da dieser wegen des Kontaktverbots derzeit keine Lebensmittel verteilen kann, möchte die Bürgerstiftung die Versorgungslücke schließen und bereits gepackte Lebensmitteltaschen kontaktlos den Beürftigen zukommen lassen.

Die Schließung der Schulen über Wochen ist eine große Belastung für Familien. Eltern arbeiten im Homeoffice, Kinder müssen ungewohnt selbstorganisiert zu Hause lernen. Daraus ergibt sich die Gefahr von erheblichen Bildungsrückständen, die lange nachwirken und aufgearbeitet werden müssen.

Um hier nachhaltig aktiv werden zu können, hat die Bürgerstiftung Hannover beschlossen, einen neuen Themen-Fonds Bildung aufzulegen und mit 100.000 Euro auszustatten.

Die Bürgerstiftung Bonn hat eine Soforthilfe für Obdachlose initiiert. Dabei kooperiert sie mit der Aktion „Weihnachtslicht spezial“, die vom „Weihnachtslicht“ des Bonner General-Anzeigers und der Bonner Tafel eingerichtet wurde, um bedürftigen Senior*innen zu helfen. Die Bürgerstiftung Bonn stellt zunächst eine Spende in Höhe von 10.000 Euro zur Verfügung. Außerdem bittet sie die vielen Engagierten aus ihrem Freundeskreis um eine Sonderspende. Das Weihnachtslicht wird die von der Bürgerstiftung zur Verfügung gestellten Spenden verdoppeln. Der Caritasverband, das Diakonische Werk und der Verein für Gefährdetenhilfe kümmern sich darum, dass die Unterstützung schnell und unbürokratisch bei den Obdachlosen in der Stadt ankommt.

Die Bürgerstiftung Erlangen hat einen CoronaNothilfe-Spendentopf eingerichtet. Aus dem Topf sollen insbesondere Senior*innen, Familien und Kinder  in schwierigen sozialen Lagen, aber auch kleine gemeinnützige Organisationen, die dringend Unterstützung benötigen, entlastet werden und überbrückend Hilfen erhalten.

Hilfsbedürftige können sich über einen Online-Förderantrag bei der Bürgerstiftung melden, die dann schnellstmöglich über eine Unterstützung entscheidet.

Die Bürgerstiftung Stuttgart hat den Nothilfefonds Gute(r)Dinge eingerichtet, um Menschen und Initiativen zu unterstützen, die sich um die sozialen Herausforderungen kümmern, die die Corona-Krise mit sich bringt.

Mit dem Fonds kann rasch und unmittelbar Engagierten finanziell unter die Arme gegriffen werden, die neue oder der Krise angepasste Angebote für diese Zielgruppen schaffen. Stuttgarter*innen sind eingeladen zu spenden, zum Beispiel für die tägliche Mahlzeit von Wohnsitzlosen oder die Tafeln, für die Einkaufsmöglichkeit für Menschen mit sehr wenig oder keinem Einkommen, für Projekte mit Kindern, deren Eltern gerade in existentielle Krisen geraten oder für kreative Ideen, die den isolierten älteren und kranken Menschen Lebensmut geben. 

In einem ersten Schwerpunkt werden Initiativen unterstützt, die sich der Versorgung von Wohnsitzlosen mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln annehmen. Die Bürgerstiftung beobachtet die weiteren Entwicklungen und Bedürfnisse besonders betroffener Zielgruppen und wird in Absprache mit den Akteuren in der Stadt zukünftig weitere Förderschwerpunkte setzen. 

Gemeinsam mit Unternehmen, die finanziell nicht von der Corona-Krise betroffen sind, startete die Bürgerstiftung Halterner für Halterner nun eine doppelt wirksame Dankeschön-, Mutmach- und Durchhalte-Aktion.
Zum Einen geht es darum, denen ein Zeichen des Dankes zu schenken, die jetzt dafür sorgen, dass die Krise bewältigt werden kann, darunter Pflegekräfte, Teams in den Lebensmittelläden, Apotheken, Arztpraxen. 
Von dem gespendeten Geld sollen Gutscheine gekauft und an diese Personen verschenkt werden. Die Gutscheine sollen möglichst bald nach Wiederaufleben der Aktivitäten in Halterner Geschäften und Gastronomiebetrieben eingelöst werden. So wird die Aktion zugleich zum Zeichen der Solidarität mit den Geschäftsleuten und ihren Mitarbeitenden, die wegen der geschlossenen oder stark eingeschränkten Betriebe um die Existenz bzw. um ihre Arbeitsplätze bangen.

Innerhalb von vier Wochen hat die Bürgerstiftung allein hierfür knapp 40.000 Euro Spenden bekommen. Dazu stößt die Aktion auf eine positive Resonanz von Mitbürgern, die die Aktion toll finden, aber ganz besonders von denjenigen, die jetzt ihre besondere Leistung in dieser schwierigen Zeit anerkannt empfinden. Und dazu von den Geschäftsleuten/Gastronomen, die sich über dieses Zeichen der Solidarität und des Mutmachens freuen.

Koordination von Hilfsangeboten

Die Bürgerstiftung in Jena - mit ihren zahlreichen Kontakten in der Ehrenamtsarbeit - unterstützt die nachbarschaftliche Hilfe. Dafür hat sie eine Hotline eingerichtet, über die Jenaer Bürgerinnen und Bürger unkompliziert ihre Hilfe anbieten können: Beim Einkauf, Gassigehen oder sonstigen Erledigungen, beim Aufpassen auf Kinder, etc. Dafür ist die Bürgerstiftung im Gespräch mit Organisationen und Einrichtungen, wo konkret Hilfe gebraucht wird.

 

Die Bürgerstiftung Ostfildern hat eine Koordinierungsstelle für besonders gefährdete Personen oder Menschen in Quarantäne eingerichtet. Diese vermittelt Unterstützung beim Einkaufen oder der Versorgung von Haustieren. Sie ist eine Initiative der Kinder- und Jugendförderung, der Kindersportschule, der Kirchen und der  Stadtverwaltung mit Unterstützung der Bürgerstiftung Ostfildern.  

Getreu ihrem Leitmotiv „Wir für uns - und nah am Menschen“ hat die Bürgerstiftung Neuenkirchen-Vörden eine Aktion ins Leben gerufen, bei der Seniorinnen und Senioren kostenlose Lebensmittelpakete nach Hause geliefert bekommen. Die Pakete im Wert bis 30 Euro haben Freiwillige bisher an 25 Personen verteilt.

Die Bürgerstiftung Dusslingen bietet einen Zubringerdienst für wichtige Einkäufe des täglichen Bedarfs an.  Das Angebot ist für diejenigen gedacht, die selbst nicht in der Lage sind ihre Einkäufe zu erledigen und niemanden in der Verwandtschaft, Bekanntschaft oder Nachbarschaft haben, die das für sie erledigen können.

Engagierte der Bürgerstiftungen holen nach telefonischer Bedarfsmeldung am Nachmittag bei den Bürgerinnen und Bürgern die Bestelliste ab, am nächsten Vormittag erfolgt der Einkauf und die Auslieferung der Bestellung. 

Die Bürgerstiftung steht dabei in engem Kontakt mit der Gemeindeverwaltung und verschiedenen Vereinen und Organisationen und kann so auf eventuell notwendige weitere Hilfeleistungen je nach Lage sehr flexibel und rasch reagieren. 

Die Bürgerstiftung Duisburg hat eine interaktive Karte auf ihrer Homepage umgesetzt, um Engagement in der Stadt sichtbar zu machen. Helfer*innen können sich auf der Karte eintragen lassen, Suchende können Hilfe in ihrem Stadtteil finden.

Die Bürgerstiftung Ballrechten-Dottingen baut ihren bisherigen Hol-und Bring-Service bei Senior*innen und mobil eingeschränkten Bürger*innen um. Diese werden nicht wie bisher zu Hause abgeholt und zum Lebensmittelladen gefahren, sondern die Bürgerstiftung übernimmt nun die Einkäufe für diesen Personenkreis.

Auf dem Portal www.chancenportal-rhwd.de bündelt die Bürgerstiftung Rheda-Wiedenbrück alle Angebote und Infos für junge Menschen und Familien und stellt sie leicht zugänglich dar: im Februar gabe es rund 10.000 Nutzer*innen, die insgesamt mehr als 50.000 Recherchen durchgeführt hatten. Für die Herausforderungen der Corona-Krise hat die Bürgerstiftung damit begonnen, Telefonnummern, Informationen, Lern- und Spielangebote im Netz und Tipps für den Familienalltag auf dem Chancenportal zu bündeln. Auch die veränderte Erreichbarkeit von Einrichtungen kann hier nachgelesen werden. Die Informationen werden laufend aktualisiert und ergänzt.

Gemeinschaftliches

Unter dem Motto "Künstler fördern - Senioren erfreuen" gibt die Bürgerstiftung Westmünstlerland aktuell Künstlern aus der Region eine Bühne und sorgt gleichzeitig für etwas Abwechslung in den von der Corona-Pandemie geprägten Alltag der älteren Menschen in stationären Einrichtungen im Kreis Borken. Zwölf Veranstaltungen stehen bis zum Beginn der NRW-Sommerferien auf dem Programm, weitere sind geplant. Open-air-Konzerte von Musikern gehören ebenso dazu wie Darbietungen von Clowns und Zauberern.

Die Bürgerstiftung Berlin organisiert als Kooperationspartner mit dem Dramaturgen Christian Reichart und dem bekannten Organisten Cameron Carpenter „Konzerte vor den Fenstern der Stadt“. Mit seiner auf einem LKW montierten Orgel besucht Carpenter sein Publikum zu Hause: Die Berlinerinnen und Berliner können ihm von Balkonen und Fenstern aus zuhören. Insbesondere für alte Menschen will Cameron Carpenter spielen und vor mehreren Seniorenheimen und ähnlichen Einrichtungen auftreten.
Träger/Verwaltungen von Seniorenheimen/Mietshäusern können sich bei der Bürgerstiftung Berlin melden, um ihren Bewohnern das Konzerterlebnis zu ermöglichen. 

Die Bürgerstiftung Braunschweig berät, wie sich jeder eine Behelfs-Mund-Nasenmaske einfach selber nähen kann. Die selbstgenähten Masken des Projekts "Tu Du’s" können auch bei der Bürgerstiftung abgegeben werden, welche die weitere Verteilung etwa an Hebammen, die ambulante Pflege, Altenheime, Arztpraxen, Physiotherapiepraxen oder auch einfach an private Initiativen organisiert.

Danke sagen und eine kleine Freude bereiten - mit gemalten Blumengrüßen richtet sich die Bürgerstiftung Osnabrück an all jene, die da sind während andere zu Hause bleiben und Risikopersonen, die das Haus nicht verlassen können. Möglichst viele von ihnen sollen einen gemalten Blumenstrauß bekommen, der Mut macht und zeigt: Ihr seid nicht allein.

Dazu hat die Bürgerstiftung eine Vorlage  zum Ausdrucken und Ausmalen bereitgestellt und ruft Freiwillge auf, sich an der Aktion zu beteiligen.

 

Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen leiden durch die Folgen der Corona-Pandemie besonders unter Isolation, da Besuche verboten sind und auch Kontakte und Angebote innerhalb des Heims eingeschränkt werden müssen. Unter dem Titel Connect – Wir stiften soziale Teilhabe stattet die Bürgerstiftung Heidelberg die Alten- und Pflegeheime mit Tablets für Videotelefonate aus, damit die Bewohner der Altenheime zumindest auf dem Tablet ihre Angehörigen sehen und mehr Nähe als bei einem normalen Telefonat empfinden können. Unterstützt werden die Senior*innen dabei von ehrenamtlichen "Alltagshelfern", die die Hilfestellung bei den Video-Telefonaten geben können. Außerdem hat jedes Tablet eine Hülle, die auch als Ständer dient und eine kleine Lautsprecherbox, sodass beim Video-Telefonat niemand dabei bleiben muss.